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25.06.2018

Der eigene Standpunkt ist wichtig beim Bewerten von Fakten

Wenn Ministerien oder andere öffentliche Stellen Pressekonferenzen veranstalten und Pressemitteilungen herausgeben, wird in den Medien darüber berichtet. So auch Mitte Juni, als das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (Bundesumweltministerium, BMU) eine Pressemitteilung mit dem Titel „Kabinett beschließt dritten Klimaschutzbericht“ veröffentlichte (im Internet unter www.bmu.de/pressemitteilung/kabinett-beschliesst-dritten-klimaschutzbericht/, aufgerufen am 21.06.2018).

Am Beispiel dieser Pressemitteilung lässt sich etwas zeigen: Wüssten Sie eine Antwort, wenn Sie gefragt würden, worum es in diesem dritten Klimaschutzbericht geht? Wahrscheinlich würden Sie sich vage erinnern, dass vor kurzem berichtet wurde, dass die Klimaschutzziele der Politik nicht erreicht werden. Je nachdem, wo Sie das gehört oder gelesen haben, ob im öffentlich-rechtlichen Rundfunk und Fernsehen, bei privaten Sendern oder auch in Fachzeitschriften oder Foren im Internet, erinnern Sie sich vermutlich anders. Die Berichterstattung setzt Akzente, geht auf einzelne Aspekte mehr oder weniger ausführlich ein, bringt Hintergründe, Interviews, weitere Informationen zum thematischen Umfeld usw. Damit ist aber keineswegs gesagt, dass die Medien lügen oder verharmlosen oder übertreiben oder so berichten, wie es bestimmte Interessengruppen wollen. Das wird den Journalisten gerade heute, in unseren so genannten „post-faktischen“ Zeiten oft unterstellt.

Gehen Sie doch einfach mal – und sei es versuchsweise – davon aus, dass die Journalisten ihre Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen und den Regeln ihres Berufs machen. Trotzdem gibt es natürlich unterschiedlich lange, unterschiedlich akzentuierte und unterschiedlich verständliche Artikel und Sendungen. Deshalb ist es immer zu empfehlen, sich nicht nur auf eine einzige Darstellung zu verlassen. Um sich ein Bild zu machen und ein eigenes Urteil fällen zu können, informieren Sie sich am besten über mehrere Quellen. Die meisten oder zumindest immer noch viele von uns orientieren sich an den Nachrichtensendungen der großen Sender und den Artikeln in Tageszeitungen; immer mehr von uns, informieren sich kurz und knapp online. Aber alle diese Berichte – ob vom, wie man inzwischen sagt „Qualitätsjournalismus“ geliefert oder von eher wenig fundierten Quellen oder sogar über mehrere andere Stationen weitergegeben - liest jeder mit den eigenen Augen, durch die eigene Brille und mit dem eigenen Verstand. Und dabei spielt das, was jeder für gut und richtig hält und zu wissen glaubt eine ganz wichtige Rolle.

Zur Veranschaulichung dieser Zusammenhänge nehmen wir die erwähnte Pressemitteilung des BMU. Darin steht: „Das Bundeskabinett hat heute den Klimaschutzbericht 2017 beschlossen. Demnach steuert Deutschland beim Klimaschutz bis 2020 derzeit auf eine CO2-Minderung von etwa 32 Prozent gegenüber 1990 zu, so die Schätzung der Bundesregierung. Angestrebt war ursprünglich ein Ziel von 40 Prozent, so dass die Handlungslücke voraussichtlich rund 8 Prozentpunkte beträgt – oder umgerechnet 100 Millionen Tonnen CO2. Ohne das 2014 beschlossene Aktionsprogramm Klimaschutz wäre die Lücke mit 12 Prozentpunkten noch deutlich größer.“

Dieser Befund kann unterschiedliche Reaktionen hervorrufen. Für die einen ist das ein weiterer Beleg dafür, dass die Klimaschutzbemühungen halbherzig sind und ein Anlass, von der Politik schärfere Maßnahmen zu fordern. Andere sehen sich in ihrem Pessimismus bestätigt, dass der Klimaschutz sowieso viel zu spät kommt. Und wieder andere können dem Befund zumindest etwas Gutes abgewinnen, nämlich: Ohne die gesteckten, aber nicht erreichten Ziele, wäre es vielleicht noch schlechter um das Klima bestellt! Was richtig und was falsch ist, lässt sich gar nicht so leicht entscheiden. Denken Sie mal darüber nach, wie sehr die Bewertung von Meldungen und Berichten von Ihrem eigenen Standpunkt abhängt. Und probieren Sie auch einmal, die Blickrichtung bzw. Perspektive zu wechseln. Dann ist nicht alles so schlecht, wie es schien, aber auch nicht einfach gut – und umgekehrt!


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