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Wegwerfmentalität oder Obsoleszenz?

Es soll Leute geben, die Geburtstage nicht feiern, weil sie sich dadurch an das Mindesthaltbarkeitsdatum auf abgepackten Lebensmitteln erinnert fühlen. Na ja. Andererseits glaubt – ehrlich gesagt – kaum jemand an den Spruch: „Man ist so alt, wie man sich fühlt.“ Durchhalteparolen halten den Alterungsprozess wohl ebenso wenig auf wie „Anti-Aging“. Altern ist eine Eigenschaft des Lebens. Doch nicht nur Lebewesen sind betroffen, sondern auch technische Geräte. In beiden Fällen verwendet man Wörter wie „Verschleiß“ oder „Abnutzung“. Während die Lebenserwartung der Menschen immer höher steigt, entsteht bisweilen der Eindruck, dass technische Geräte nicht mehr so lange halten wie früher. In diesem Zusammenhang wird gelegentlich der Verdacht geäußert, die Hersteller bauten die Produkte absichtlich so, dass sie planmäßig früher kaputtgehen als nötig. Dafür gibt es ein Fremdwort: „Obsoleszenz“. Laut Duden wird damit die in seiner Herstellungsweise oder durch die verwendeten Materialien angelegte Alterung eines Produktes beschrieben.

Das passt gut ins Bild unserer Wegwerfgesellschaft. Allerdings sollte man sich vor Verschwörungstheorien hüten und um gesicherte Auskunft bemühen. Das hat das Umweltbundesamt (UBA) als oberste deutsche Umweltbehörde getan und beauftragte das Freiburger Öko-Institut und Forscher der Universität Bonn mit einer groß angelegten Studie. Zweieinhalb Jahre wurden über ein Dutzend Gerätetypen untersucht geforscht und die Ergebnisse auf über 300 Seiten zusammengetragen, schließlich im Frühjahr 2016 veröffentlicht. Sie können sich die Studie im Internet herunter laden unter www.umweltbundesamt.de/publikationen/einfluss-der-nutzungsdauer-von-produkten-auf-ihre-1.

Wir fassen zusammen: Es sieht so aus, dass die Verbraucher tatsächlich Geräte schneller wechseln als früher. Dies liegt jedoch anscheinend nicht immer am Verschleiß der Geräte, sondern eher an der Wegwerfmentalität ihrer Benutzer. Die Lebensdauer von großen Haushaltsgeräten wie Waschmaschinen, Wäschetrocknern und Kühlschränken verkürzte sich zwischen 2004 und 2012 im Schnitt von 14,1 auf 13 Jahre. Bei Notebooks sank sie zwischen 2005 und 2012 von 6 auf 5,1 Jahre. Die Industrie stellt sich auf das geänderte Konsumverhalten ein, insofern planen die Hersteller tatsächlich die Lebensdauer ihrer Produkte. Dies jedoch anders als gedacht. Denn laut der Studie gibt es keine Hinweise darauf, dass absichtlich Schwachstellen in Geräte eingebaut würden. Aber die Hersteller kalkulieren mit den Gewohnheiten der Verbraucher, wie lange ein Gerät voraussichtlich in Betrieb sein wird. Dementsprechend sollen die Geräte so lange halten wie nötig - nicht so lange wie möglich.

Maria Krautzberger, die Leiterin des UBA fordert im Sinne von mehr Transparenz, dass nach Möglichkeit die voraussichtliche Lebensdauer eines Geräts angegeben werden sollte, und zwar am besten in Nutzungsstunden, nicht in Jahren. Ferner hält die UBA Chefin Anreize für sinnvoll, die Geräte länger zu nutzen. Der immer schnellere Austausch von Elektrogeräten schadet nämlich der Umwelt. Laut Ökoinstitut wurden 2014 allein in Deutschland mehr als 24 Millionen Smartphones, sieben Millionen Tablets und acht Millionen Fernseher verkauft. Für Herstellung, Vertrieb, Gebrauch und Entsorgung solcher Geräte wird viel Energie benötigt, entsprechend hoch sind die CO2-Emissionen (Siehe www.umweltbundesamt.de/themen).

Worauf es ankommt, ist eine vernünftige Abwägung. Im Sinne von Nachhaltigkeit und Umweltschutz ist eine längere Nutzung von Geräten – übrigens aber auch von Kleider und Möbeln – sicherlich auf den ersten Blick sinnvoll, weil die Neuherstellung in der Öko-Bilanz negativ zu Buche schlagen würde. Andererseits kann es aber auch sinnvoll sein, ein Altgerät mit zu hohem Verbrauch auszutauschen. Da hilft nicht nur Rechnen, sondern auch gesunder Menschenverstand.


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