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Was es heißt, miteinander zu sprechen

Haben Sie die Weihnachtsansprache des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier gehört? Zum Nachlesen: http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Reden/DE/Frank-Walter-Steinmeier/Reden/2018/12/181225-Weihnachtsansprache-2018.html. Solche Ansprachen sind in diesen Tagen nichts Ungewöhnliches, der gewöhnliche Alltag ist unterbrochen, Zeit, darüber nachzudenken, was ist und was war und was sein könnte. Dass der Bundespräsident sich über das Reden selber Gedanken machte, ist sicherlich kein Zufall. „Wie gut, dass wir diskutieren; wie gut, dass wir miteinander reden! Wenn ich mir für unser Land eins wünschen darf, dann: mehr davon!“, sagte Steinmeier. Seinen Eindruck, dass wir seltener miteinander sprechen und einander zuhören, werden sicherlich viele teilen. Und dass in den Sozialen Medien „gegiftet“ werde und „Lärm und tägliche Empörung“ sei, wie Steinmeier befand, werden ebenfalls viele bestätigen. Andererseits sind die digitalen Kommunikations- und Informationsmöglichkeiten ja auch nicht nur schlecht. Nicht gut ist allerdings, was Steinmeier so formulierte: „Immer mehr Menschen ziehen sich zurück unter ihresgleichen, zurück in die eigene Blase, wo alle immer einer Meinung sind.“ In diesem Zusammenhang spricht man von „Echoräumen“. Wer sich nur da informiert und artikuliert, wo er sicher sein kann, auf Gleichgesinnte zu treffen, kriegt immer dasselbe „Echo“ zu hören. Das gilt aber keineswegs nur für die Sozialen Medien, sondern auch für Zeitungen, Fernsehsender, Gesprächspartner...

Wunsch und Vorsatz brachte Steinmeier in die Aufforderung: „Sprechen Sie mit Menschen, die nicht Ihrer Meinung sind! Sprechen Sie ganz bewusst mal mit jemandem, über den Sie vielleicht schon eine Meinung haben, mit dem Sie aber sonst kein Wort gewechselt hätten. Ein Versuch ist das wert.“ Am Ende seiner Ansprache fügte er hinzu: „Unsere Demokratie (…) baut darauf, dass wir unsere Meinung sagen, für unsere Interessen streiten. Und sie setzt uns der ständigen Gefahr aus, dass auch der andere mal Recht haben könnte. Am Ende einen Kompromiss zu finden, das ist keine Schwäche, sondern das zeichnet uns aus! Die Fähigkeit zum Kompromiss ist die Stärke der Demokratie.“ Hier griff Steinmeier einen Gedanken des Philosophen Hans-Georg Gadamer (1900-2002) auf: „Ein Gespräch setzt voraus, dass der andere Recht haben könnte." (H. Gadamer im Interview mit Thomas Sturm. In: Der Spiegel 8/2000 vom 21.02.2000, zitiert nach: https://de.wikiquote.org/wiki/Hans-Georg_Gadamer). 

Zum miteinander Reden, wie Steinmeier und Gadamer es verstehen, gehört auch die Anerkennung des Gesprächspartners als einen, der aufrichtig seine Position bzw. Meinung vertritt und einen berechtigten Anspruch darauf hat, gehört und ernst genommen zu werden - wie es zum guten Benehmen gehört, einander ausreden zu lassen. Wenn ich von vornherein über einen Menschen oder eine Institution oder eine Zeitung oder eine Sendung Bescheid zu wissen glaube, auf gut Saarländisch „den Plan im Sack habe“, zementiere ich damit nur meine eigene Meinung, die ja durchaus ebenso wie die aller anderen falsch oder zumindest korrekturbedürftig sein kann. An dieser Stelle zitieren wir aus unserem Beitrag an dieser Stelle vor fünf Jahren: „Wer kritisch einen Sachverhalt beurteilen will, sollte unterscheiden. Um unterscheiden zu können, braucht man meistens zusätzliche Informationen zu dem, was man schon weiß oder sich denkt. Dazu gehört oft auch, eine Sache einmal aus anderer Perspektive zu betrachten bzw. weitere Aspekte mit ins Kalkül zu nehmen. (…) Eine Sache klug abwägen geht immer am besten mit anderen (z. B. wenn es um eine neue Heizung oder um energetische Maßnahmen für Ihr Haus geht). Deshalb: Reden Sie mit uns! In diesem Sinne wünschen wir uns, dass Sie treu und kritisch bleiben, und Ihnen allen wünschen wir ein gutes neues Jahr.“


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