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Haben wir in der Treibstoffdiskussion alles im Blick?

Dass ein Zusammenhang zwischen der Diskussion um den richtigen Treibstoff und den wieder steigenden Preisen an den Tankstellen besteht, mag eher unwahrscheinlich sein. Andererseits hängt bekanntlich alles mit allem zusammen. Doch dieser Erkenntnis sollte uns nicht verleiten, alles über einen Kamm zu scheren. Besser wäre es, genau hin zu sehen und zu hören, kritisch zu sein und das heißt zunächst einmal: zu unterscheiden. Und damit tun sich viele Leute gerade wenn es um Treibstoffe geht, schwer. Beispielsweise wird zurzeit kaum darüber gesprochen, dass Dieselfahrzeuge weniger CO2, das bekanntlich mit verantwortlich für die Klimaveränderungen gemacht wird, ausstoßen als Benziner. Denn aktuell ist der gesundheitsschädigende Stickstoffausstoß vor allem älterer Dieselfahrzeuge im Fokus der Diskussion. Bei aller Ursachenforschung und Schuldzuweisung wird meistens vergessen, dass überhaupt viel zu viele Personen- und Gütertransporte mit oftmals überdimensionierten Fahrzeugen stattfinden.

Zurzeit wird auch viel über Elektroautos gesprochen, eher am Rande auch schon einmal von alternativen Treibstoffen und davon, dass die deutsche Automobilindustrie in dieser Hinsicht nicht gerade führend auf der Welt ist. Erstaunlich wenig wird hingegen von Erdgasantrieben berichtet. Dabei schonen diese nachweislich die Umwelt und das Klima und auch den Geldbeutel der Autofahrer. Wer will, mag darüber spekulieren oder auch sorgfältig recherchieren, woran es liegt, dass das öffentliche Interesse so einseitig ist - im Moment sich eben am Diesel festbeißt – und dass andere Aspekte unserer Mobilität in den Hintergrund geraten. Fest steht, dass die Sachverhalte oft zu sehr vereinfachend oder oberflächlich behandelt werden.

Als Beispiel für fehlende Unterscheidung und verkürzte Information kann unser Umgang mit den an der Zapfsäule angezeigten Preisen dienen. Was die Fahrt mit dem Auto tatsächlich kostet, hängt nämlich nicht nur vom Preis, sondern auch von der Energiedichte des getankten Treibstoffs ab. Von anderen Kosten für das Auto und die Allgemeinheit sei hier einmal (auch das ist natürlich eine Vereinfachung!) abgesehen. Bei genauerer Unterscheidung zeigt sich: Erdgas hat von allen Treibstoffarten an unseren Tankstellen die höchste Energiedichte. Diese wird angegeben in Kilowattstunden (kWh). Ein Kilogramm Erdgas hat 13,5 kWh, ein Liter Diesel 9,8 kWh, ein Liter Benzin 8,8 kWh. Auf dem letzten Platz landet das Autogas (Propangas) mit 6,6 kWh pro Liter. Ein Kilo Erdgas hat also in etwa den doppelten Energiegehalt wie ein Liter Autogas. Deshalb ist das Fahren mit einem Kilo Erdgas günstiger als das Fahren mit einem Liter Autogas. Darüber hinaus fährt ein Auto mit einem Kilogramm Erdgas zirka 1,5 Mal so weit wie mit einem Liter Superbenzin. Im Vergleich zum Dieselfahrzeug liegt der Faktor bei etwa 1,2 bis 1,3.

Noch ist nicht genau absehbar, wie die Dieseldiskussion enden wird, und welche Konsequenzen die Politik, die Industrie und wir Autofahrer ziehen werden bzw. ertragen müssen. Eine differenzierte Betrachtung – zu der dann auch die Berücksichtigung des Erdgasantriebs gehören müsste – wäre allerdings wünschenswert.


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