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Die Fastenzeit hat einen festen Termin

„O je, die Fastenzeit hat schon begonnen, und ich bin noch bei meinen Vorsätzen…“ So geht es vielleicht einigen von Ihnen. Vielleicht sind Sie dann versucht, den Zeitrahmen nach hinten zu verlegen. Für Christen ist die Sache jedoch klar: Am Aschermittwoch hat die Fastenzeit begonnen, von da an sind es 40 Tage bis Ostern, keiner mehr, keiner weniger. Der Termin ist Ostern, der wird nicht verschoben – auch nicht, wenn die Fastenziele nicht erreicht sind. In der deutschen Politik erleben wir gerade etwas anderes. Weil die „Fastenziele“ in Sachen CO2-Ausstoß und Klimaschutz nicht erreicht werden, wird der Termin verschoben. Für die Christen geht das gar nicht: Die Terminvorgabe eröffnet eine Perspektive, setzt einen klaren Rahmen. An Ostern wird auf jeden Fall gefeiert. Darauf kann sich jeder einrichten, wie streng er es mit den Fastenregeln auch immer halten mag. Gäbe es den Termin nicht, könnte man das Fasten nach Belieben immer wieder aufschieben. Das wäre kaum glaubwürdig und kaum effektiv.

Jetzt ist zu hoffen, dass die Bevölkerung das Verschieben der Klimaschutzziele nicht auch so versteht, als sei nicht viel dahinter, die Sache sei immer schon halbherzig betrieben worden oder die jetzt verschobenen Klimaschutzziele seien ja sowieso nicht zu erreichen gewesen. Das Schlechteste aber wäre, wenn jetzt gedacht würde: Wenn unsere Mandatsträger, die doch in unserem Auftrag und zu unser aller Wohl tätig sein sollen, den Klimaschutz nicht ernst nehmen, warum soll dann gerade ich etwas dafür tun? Wir verzichten auf einen Kommentar. Dann haben wir in der Fastenzeit wenigstens auf etwas verzichtet…

Scherz beiseite: Sicherlich halten sich heutzutage weniger Menschen an Fastenregeln als früher; die Kirche selber ist weniger streng, die Leute orientieren sich weniger am Kirchenjahr und an religiösen Regeln. Es gibt ja auch Alternativen: Alle Jahre wieder tauchen just vor Beginn der Fastenzeit neue Diäten auf, meist kombiniert mit Ergebnissen aktueller Studien und neuen Erkenntnissen. Da ist meistens etwas dran! Der Witz ist nur: So plausibel alle Ratschläge sein mögen: Fasten, verzichten und sich vernünftig verhalten muss jede und jeder für sich selber. Oder – um den vielzitierten Satz von Erich Kästner wieder einmal zu bemühen –: Es gibt nichts Gutes, außer: Man tut es.

Und so kommt es auch beim Klimaschutz darauf an, wie ernst Sie selber die Meldungen über die schmelzenden Gletscher und den steigenden Meeresspiegel nehmen und welche Konsequenzen Sie für sich daraus ziehen. Die Fastenzeit wird ja auch seit je her als eine Zeit der Reflexion, der Besinnung auf das, was einem wichtig ist, verstanden. So könnte ja zum Schimpfen über die Politik auch der Vorsatz kommen, sich persönlich nicht beirren zu lassen und die eigenen Anstrengungen und Gewohnheiten zum Umwelt- und Klimaschutz fortzusetzen, vielleicht sogar noch zu intensivieren.

So wie sich einige von uns aus religiösen oder gesundheitlichen Gründen für die Fastenzeit Zurückhaltung oder Verzicht beim Essen und Trinken vornehmen, so bietet sich durchaus als Fastenübung ein sorgsamer Umgang mit Strom, Heizenergie, Treibstoff, vielleicht auch mit dem Trink- und Grundwasser an. Es geht darum, sich klarzumachen, was für einen selbst und für die Menschen, mit denen man zu tun hat, wichtig ist. Und dann kommt es darauf an, im Alltag das Verhalten, das man für richtig hält, einzuüben. So entstehen gute Gewohnheiten. Dann werden Termine fürs so verstandene „Fasten“ tatsächlich überflüssig und an jedem Tag besteht Grund zum Feiern.


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