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Theorie und Praxis der Verschwendung

In unserer Gesellschaft ist es üblich, mehr zu haben, als man braucht. Das betrifft alle Bereiche unserer Lebenswelt: Die Größe der Wohnung und des Autos, die Art des Reisens, die Vielfalt unserer Kleider und die Ernährung. Es wäre unklug, sich selbst zugunsten von Nachhaltigkeit, vernünftiger Ernährung, Verzicht auf modische Kleider und den Komfort hinsichtlich Reisen und Wohnen zu kasteien. Die Lebensqualität braucht nicht zu leiden. Im Gegenteil: Wer mit seinen Ernährungs- und Verbrauchsgewohnheiten im Reinen ist, ist eher zufrieden als jemand, der kritischen oder skeptische Fragen immer aus dem Weg geht oder völlig ohne nachzudenken in den Tag lebt, bis er eines Tages erkennen muss, dass er viel falsch gemacht hat. Verschwendung hat - so betrachtet - also auch einen theoretischen Teil.

Theoria heißt auf Griechisch: Schau. Schauen Sie sich also Ihr Verhalten an, das tatsächliche und das mögliche! Gelegentlich kann man ein Gedankenexperiment machen: Stell dir vor, jemand fragt dich nach guten Gründen für dein Handeln! Wenn die Antwort lautet: Ich mach das einfach so, weil mir das gefällt, dann könnte der fiktive Gesprächspartner einwenden: Denk doch einmal daran, was mit Deinem Verhalten zusammenhängt! Oder - um ein konkretes Beispiel zu nehmen - könnte die Gegenfrage lauten: Woher willst Du wissen, dass der Joghurt nicht mehr gut ist, wenn du ihn weg wirfst, ohne ihn anzusehen und zu probieren! Sodann wird aus der Theorie schnell Praxis. Solche Situationen sind doch typisch: Man sieht, dass das Mindesthaltbarkeitsdatum auf dem Joghurt abgelaufen ist, und wirft den Becher ungeöffnet weg. Aber „abgelaufen“ bedeutet in den seltensten Fällen „nicht mehr genießbar“. So wandern in Deutschland pro Jahr pro Person Lebensmittel im Wert von rund 235 Euro in die Tonne. Da ist Arglosigkeit im Spiel. Deshalb lohnt es sich, ein bisschen Theorie und kritische Fragen zuzulassen, gerade für Leute, denen bloße moralische Aufforderungen nicht geheuer sind.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) hat „Zehn Goldene Regeln“ aufgelistet, die auffordern, den Verstand einzuschalten und die gewonnenen Einsichten in die Praxis umzusetzen. Wir fassen zusammen:

1. Benutzen Sie einen Einkaufszettel, auf dem Sie nur aufschreiben, was wirklich benötigt wird!
2. Gehen Sie nicht hungrig und gehetzt einkaufen!
3. Achten Sie auf die Packungsgröße! Von günstigen Sondergrößen wird oft viel weggeworfen.
4. Wählen Sie bewusst aus! Sie brauchen nicht das längste Haltbarkeitsdatum, wenn Sie das Produkt gleich essen; Äpfel mit kleinen Macken und Brot vom Vortag schmecken auch.
5. Kühlen Sie mit Plan! Im Kühlschrank gehören Obst und Gemüse unten ins Gemüsefach, Fisch und Fleisch auf die unterste Ablage, Milchprodukte in die Mitte, Käse und gekochte Speisen kommen nach oben, Eier, Butter und Getränke in die Tür.
6. Lagern Sie die Lebensmittel richtig! Brot, Öle, Tomaten und die meisten Südfrüchte kommen nicht in den Kühlschrank, Kartoffeln und Zwiebeln brauchen einen dunklen Ort, Mehl, Nüsse, Saaten und Getreide müssen in verschlossenen Behältern aufbewahrt werden.
7. Achten Sie auf die Haltbarkeit! Aber entwickeln Sie keine Hysterie wegen des Haltbarkeitsdatums! Was gut aussieht, riecht und schmeckt kann meistens auch noch gegessen werden.
8. Kontrollieren Sie regelmäßig! Was schimmelig ist, muss entsorgt werden.
9. Verwerten Sie, was bei Tisch übrig ist, aber gewöhnen Sie sich an, nicht zu viel zu kochen!
10. Bestellen Sie im Restaurant mit Maß und Ziel! Übrigens: Untersuchungen zeigen, dass weniger weggeworfen wird, wenn à la Carte gegessen wird, statt sich an einem Buffet zu bedienen.

(Siehe www.bmel.de und www.zugutfuerdietonne.de)


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