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Haben Sie den Artikel von den Kleidern gelesen?

Haben Sie es auch gelesen? Auf der ersten Seite der Saarbrücker Zeitung vom Dienstag, 24. November, stand: "Frauen haben 118 Kleidungsstücke, Männer nur 73 im Schrank." Und was haben Sie da gedacht? "Wusste ich es doch!" Oder: "Ja, ja, die Frauen..." Oder: "Früher war das ganz anders." Vielleicht neigen Sie nach der Lektüre des ganzen Artikels sogar dazu, zu sagen: "Früher war alles besser." Wir wissen natürlich alle, daß das nicht stimmt. Aber manche gute Gewohnheit aus früherer Zeit, ist heute verloren gegangen. Dazu gehört die Wertschätzung für Sachen, für Produkte aus Menschenhand, für Lebensmittel und eben auch Kleidung. Der Artikel kann einen nachdenklich stimmen. Er beschreibt unsere Konsumgesellschaft am Beispiel von Jugendlichen mit Tüten und Sachen aus Billigketten; vieles werde nicht einmal anprobiert, sondern eben mal so mitgenommen, wie T-Shirts zum Preis einer Pizza, vieles lande schnell im Müll. Der Artikel beruft sich auf eine Studie im Auftrag von Greenpeace, die zeige, dass Kleidung zum Wegwerfartikel geworden sei. Von den 5,2 Milliarden Kleidungsstücken in deutschen Schränken - ohne Strümpfe und Wäsche - würden 40 Prozent sehr selten oder nie getragen. Der Artikel endet mit dem Satz: "Und: Kaum jemand lasse Kleidung ausbessern, so die Studie." Ja, mit schadhafter Kleidung traut sich kaum noch jemand unter die Leute. Aber auch reparierte, ausgebesserte Kleider sind verpönt. Sind gestopfte Strümpfe, Flickstücke an den Ellenbogen, neu eingesetzte Reißverschlüsse, neue Sohlen für die Schuhe usw. wirklich völlig out?

Das kann doch eigentlich nicht wahr sein, wo doch allenthalben vom Klimawandel und von Nachhaltigkeit die Rede ist. Denn bei der Produktion von Kleidung werden Ressourcen verbraucht, die Umwelt und das Klima strapaziert. Ohne Zweifel wäre es nachhaltig, Kleider so lange wie irgend möglich zu tragen, wenn nötig ausgebessert. Ohne Zweifel brauchen die meisten von uns, mal ganz ehrlich, nicht so viele Kleider und Schuhe, wie wir haben. Ohne Zweifel, wollen wir uns in unseren Kleidern aber auch wohlfühlen, chic und modisch auftreten, und irgendwie zeigen wir mit unserer Kleidung auch, wer wir sein wollen. Die Wertschätzung für die Sachen geht einher mit der Wertschätzung für uns selber. Außerdem leben auch viele Menschen davon, Kleider zu produzieren und Handel damit zu treiben. Das alles darf natürlich vor lauter Klimaschutz und Nachhaltigkeit nicht vergessen werden. Und man sollte auch daran denken, dass es in unserer Gesellschaft gar nicht wenige Menschen gibt, die darauf angewiesen sind, billige Kleidung kaufen zu können.

Außerdem lässt sich bekanntlich das Rad nicht so einfach zurückdrehen. Letztlich - Sie haben es sich wahrscheinlich schon gedacht - ist jeder auf sich angewiesen, jeder kann sich informieren und wählen, was er für richtig hält. Das gilt für jedes einzelne Kleidungsstück ebenso wie für die Lebensweise insgesamt. Wir erlauben uns gelegentlich, Sie zum Nachdenken zu ermuntern. Nachdenklich stimmen auch die scheinbar zufälligen Zusammenhänge. Just direkt neben dem Artikel über die Kleider der Deutschen stand in der erwähnten SZ-Ausgabe die Meldung: "Deutsche Wirtschaft stößt mehr Treibhausgase aus." Im Artikel wurde dann klar, dass es nicht um Kohlendioxid, sondern um Fluorkohlenwasserstoffe geht, die insbesondere als Kältemittel verwendet werden, außerdem um Schwefelhexafluorid - "das stärkste Treibhausgas". Irgendwie hängt bekanntlich alles zusammen. Welche Rolle Sie dabei spielen, hängt - wenn auch nicht ganz - von ihnen ab.


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