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Wasserverschwendung - einmal anders betrachtet

Vom 17. bis 23. August hat in Stockholm wie jedes Jahr seit 1991 die Welt-Wasser-Konferenz getagt. Haben Sie etwas davon mitbekommen? Wenn nein, ist das nicht verwunderlich. Denn anscheinend haben weder die Tagesschau der ARD noch die heute-Nachrichten davon berichtet, jedenfalls findet sich dazu nichts auf den entsprechenden Internetseiten. Obwohl erst vor etwa einem Jahr die Vereinten Nationen den Zugang zu sauberem Trinkwasser zu einem Menschenrecht erklärt haben und rund ein Siebtel der Menschheit dieses Menschenrecht fe facto verwehrt ist, scheint das Thema bei uns kaum weiter verfolgt zu werden. Oder die Medien sind es einfach leid, immer wieder von solchen Konferenzen, die dann aber kaum Ergebnisse bringen, zu berichten. Nach längere Recherche, findet sich ein bemerkenswerter Artikel der Bundesregierung im Netz unter www.bundesregierung.de/Content/DE/Magazine/MagazinEntwicklungspolitik/069/s3-verschwendung-verschaerft-wasserkrise-stockholmer-konferenz-fr.html (abgerufen am 30. August 2015). Dort sind einige Nachrichten von der Stockholmer Konferenz notiert. Dazu gehört der Hinweis, dass nicht nur direkte Verschwendung die Wasserkrise weltweit verschärft. "Auch Maßlosigkeit und Verschwendung im Umgang mit Lebensmitteln und Verbrauchsgütern gefährden die Nachhaltigkeit der weltweiten Wasserreserven", heißt es da unter Berufung auf internationale Experten.

Die Wissenschaftler befassen sich mit "virtuellem Wasser", worunter nicht das Wasser, das getrunken oder für die Körperpflege verwendet wird, sondern Wasser zur Produktion von Nahrungsmitteln verstanden wird. Beispielsweise heißt es: "Für eine Tasse Kaffee werden etwa 140 Liter dieses virtuellen Wassers verbraucht, bei der Produktion, der Verpackung und dem Transport der Bohnen." Und weiter: "2.400 Liter Wasser sind für die Herstellung eines einzigen Hamburgers nötig, 15.000 Liter für ein Kilo Rindfleisch. Die Produktion einer Scheibe Brot macht 40 Liter Wasser erforderlich, ein Kilogramm Käse verschlingt 5.000 Liter Wasser." Von diesem Befund geht die Botschaft aus: "Lebensmittel verschwenden heißt auch Wasser verschwenden!"

Lebensgewohnheiten wie das Wegwerfen von Lebensmitteln, aber auch übermäßiges Essen verschärfen die Weltwasserkrise - in globaler Betrachtung durchaus auch in Gegenden wie unserer, wo kein Wassermangel herrscht. Der Text der Bundesregierung beruft sich auf Jan Lundqvist vom Internationalen Wasserinstitut in Stockholm (SIWI), der festgestellt habe, dass Fettleibigkeit in vielen Ländern im Hinblick auf die weltweite Wasserversorgung ein großes Problem darstelle. "1,2 Milliarden Menschen seien übergewichtig, deutlich mehr als 850 Millionen Hungernde." In dieselbe Richtung geht eine in Stockholm vorgelegte Untersuchung mit dem Ergebnis: "Die Gefahr steigt, dass sich Menschen in Gesellschaften mit einem Überangebot an Nahrung regelrecht "überfressen" und Nahrungsmittel verschwenden. So landen in den USA 30 Prozent der Nahrungsmittel im Wert von 48,3 Milliarden US-Dollar in den Mülltonnen der privaten Haushalte. Das sei so, als würde man den Wasserhahn aufdrehen und 40 Billionen Liter Wasser in den Gully abfließen lassen. Dies sei eine ausreichende Menge, um den Wasserbedarf von 500 Millionen Menschen zu decken." 

Wir alle sollten solche Nachrichten zumindest zur Kenntnis nehmen, obwohl - oder gerade weil - wir bei uns so viel gutes Trinkwasser haben. Ob Sie sich (näher) damit befassen wollen oder nicht, ist Ihre Sache. Und die Konsequenz müssen Sie ohnehin selber ziehen.


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