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Fasten heute - Übungen für den Alltag

Wer fastet, möchte bewusst seine Gewohnheiten überprüfen und gegebenenfalls ändern. Vielen von uns ist ihr üppiges Leben mit gutem Essen und Trinken und zu wenig Bewegung nicht mehr geheuer. Die Fastenzeit nehmen einige zum Anlass, auf Süßigkeiten, Alkohol, Zigaretten oder was auch immer zu verzichten. Dabei geht es eigentlich nicht um den Verzicht als solchem, sondern vielmehr darum, auszuprobieren, ob es nicht auch anders gehen könnte und ob es einem dann nicht besser gehen würde. Und das gilt nicht nur im Hinblick auf leibliche Erfahrungen.

Radikalkuren sind meistens nicht erfolgreich. Wer beispielsweise sehr schnell sehr viel Gewicht verliert, hat es sehr schnell auch wieder "drauf"; Stichwort "Jojo-Effekt". Viele, die Fastenerfahrungen gesammelt und die verschiedensten Diäten ausprobiert haben, aber auch viele Fachleute, sagen, es sei am besten, eingefahrene Gewohnheiten auf den Prüfstand zu stellen und gegebenenfalls zu ändern. Dann stellen sich positive Effekte zwar nicht von heute auf morgen, aber auf längere Sicht ein. Vor allem sind solche geänderten Gewohnheiten relativ stabil, d. h. sie werden nicht so schnell "über Bord" geworfen wie gute Vorsätze, mit denen bekanntlich der Weg zu Hölle gepflastert sein soll.

Damit hängt zusammen, dass Fasten heute auch noch ganz andere Aspekte als den Verzicht auf Essen und Trinken - bis hin zur Aktion "Autofasten" der Kirchen - hat. Zurückhaltung, Verzicht, Vermeiden von Verschwendung kann für die unterschiedlichsten Lebensbereiche relevant sein: keine unnötigen Fahrten mit dem Auto machen, Sprit sparend fahren, überhaupt mit Energie sorgsam umgehen, also Strom, Heizenergie, Treibstoff bewusst einsetzen. Achtsamkeit verdienen gewiss auch unser gutes Trink- und Grundwasser und alle anderen Lebensmittel. Das bedeutet für uns Verbraucher: Verschwendung vermeiden, Lebensmittel nur wegwerfen, wenn sie wirklich verdorben sind, und nicht mehr einkaufen, als man wirklich verbrauchen kann.

Die kluge, aber auch wirtschaftliche und moralisch vertretbare Einstellung müsste sein: Sein eigenes Verhalten im Alltag verändern. Das ist vermutlich wirksamer als großartige Forderungen an Politik und Industrie zu stellen oder "moralinsaure" Botschaften zu verkünden. Interessanterweise haben genau diese - eher unspektakulären - Veränderungen im eigenen Alltagsverhalten mit dem zu tun, was das Wort "Askese", das wir heute meistens nur mit Verzicht in Verbindung bringen, ursprünglich bedeutet. Die alten Griechen und die philosophische Tradition der Stoiker verstanden unter "askesis" so viel wie "Übung" -  heute würde man "Training" sagen. Ein asketischer Umgang mit seiner Umwelt, seinen eigenen Kräften, Wünschen, Vorlieben, auch den Schwächen und Stärken kann bedeuten: Lebe sorgsam! Achte darauf, dass nichts übertrieben und nichts vernachlässigt wird. Entwickle ein Gespür dafür, was gut und richtig ist und was dir selber gut tut. Übe oder trainiere ein solches Verhalten in deinem Alltag, ändere, was schlecht ist, befördere, was Du bisher vernachlässigt hast.

In diesem Sinne könnten Sie die Fastenzeit zum Anlass nehmen, darüber nachzudenken, wie ihr Alltag aussieht, wie Sie mit Treibstoff, Heizenergie, Lebensmitteln, Verpackungen, Plastiktaschen, Trinkwasser umgehen. Sie haben selbst viele Möglichkeiten zu vernünftiger "Askese" im beschriebenen Sinne - und das ohne großartige Maßnahmen zu ergreifen oder sich arg zu quälen - oder auf gesetzliche Regelungen zu warten oder sich an "politisch korrektem" Verhalten zu orientieren.


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