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Eine Frage der Moral und des Verstandes

Die Menschen, die in unserer Heimat die so genannte "schlechte Zeit" in und nach dem Krieg erlebt haben, erinnern sich sicherlich noch gut daran:

Sie haben Hunger am eigenen Leib verspürt und diese Erfahrung hat bei ihnen Ehrfurcht vor Brot und Lebensmitteln und überhaupt vor Nahrung ausgelöst. Die meisten dieser Menschen haben versucht, ihren Kindern vorzuleben und beizubringen, dass man Lebensmittel nicht wegwerfen soll. Dann wurde oft der moralische Zeigefinger erhoben, womöglich so oft, dass es die Getadelten nervte. Die Kinder von damals haben heute selber Nachwuchs, auch schon Enkelkinder. Vielleicht ist im Laufe der Jahre der Respekt vor Lebensmitteln gerade deswegen verloren gegangen, weil früher in diesem Zusammenhang zu viel moralisiert wurde.

Andererseits hat es hierzulande sicherlich mit der scheinbar unbegrenzten Verfügbarkeit von Nahrung zu tun, dass man ihr weniger Beachtung schenkt als in Zeiten und an Orten mit Nahrungsknappheit. Wo alles in Hülle und Fülle vorhanden ist, fällt es schwerer, (nicht nur gegenüber Kindern) plausible Argumente für einen sorgsamen Umgang mit Essbarem zu finden. Esswaren unterscheiden sich kaum noch von anderen Waren auf dem übervollen Markt, der davon lebt, dass immer wieder neu gekauft wird.

Damit ist eng verbunden, dass viel weggeworfen wird, ja, dass selbst einwandfreie Lebensmittel in der Tonne landen. In Deutschland sind es pro Jahr etwa elf Millionen Tonnen - 275.000 voll beladene Lastwagen. Stellen Sie sich das mal vor! "Elf Millionen Tonnen Lebensmittel entsorgen Industrie, Handel, Großverbraucher und Privathaushalte in Deutschland jedes Jahr als Abfall. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler der Uni Stuttgart, die im Auftrag des Bundesernährungsministeriums eine Studie zu Lebensmittelabfällen in Deutschland erstellt haben. Im Schnitt wirft jeder Bundesbürger mehr als 80 (81,6) Kilogramm Lebensmittel weg." Das teilt das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft mit. Quelle: www.bmel.de/DE/Ernaehrung/UmgangLebensmittel/ZuGutFuerDieTonne/node.html).

2012 erarbeitete die Universität Stuttgart eine Studie, die vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) gefördert wurde. Es handelt sich also nicht um bloße Forderungen von Menschen, die es gut meinen, sondern um wissenschaftlich belegte Fakten. Die Ergebnisse sind in einer kleinen Broschüre leicht verständlich zusammengefasst (der Download ist möglich unter: www.bmel.de/DE/Ernaehrung/UmgangLebensmittel/ZuGutFuerDieTonne/_Texte/ZGFDT-Info2014.html www.bmel.de). Sie sind auch im Internet nachzulesen unter www.zugutfuerdietonne.de. Dort wird zusammengefasst: "Wertvoller Ackerboden, Wasser und Dünger, Energie für Ernte, Verarbeitung und Transport - jedes Lebensmittel braucht für seine Herstellung kostbare Ressourcen. Ressourcen, die wir mit jedem weggeworfenen Apfel oder Brot sinnlos verschwenden. So fließen allein 700 Liter Wasser, bis ein Kilo Äpfel geerntet ist. 1.300 Liter Wasser sind es, bis ein Kilogramm Brot entstanden ist. Für ein Kilogramm Käse sind es 5.000 Liter. Für die gleiche Menge Rindfleisch sogar über 15.000 Liter. Wir bezahlen sogar doppelt für unsere Verschwendung, indem wir auch für den Abtransport wiederum Energie verbrauchen."
Demnächst erfahren Sie mehr über den Zusammenhang von Verschwendung und Umweltproblemen sowie von Moral und Verstand.


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